Interview mit Bennet Bieck

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[MindFreak] Hallo und willkommen an Bennet Bieck. Zu Beginn bedank ich mich, dass du dir die Zeit nimmst, dich meinen Fragen zu stellen. Vielleicht möchtest du dich zu Beginn auch gleich mal kurz vorstellen.


[Bennet] Hallo Matthew! Dank dir für die Einladung zum Interview. Ja, ich bin Bennet Bieck, lebe in Cottbus und bin Komponist, Sound Designer und Musiker. In Bands bin ich musikalisch eher in der Blues, Rock und Alternative-Richtung unterwegs – bei der Komposition treibe ich mich allerdings gern breit gefächert herum.


[MindFreak] Zur Vorbereitung auf dieses Interview habe ich festgestellt, dass du noch nicht solange dabei bist Musik/Score für Filme zu produzieren. Was hat dich bewogen, musikalisch für Filme aktiv zu werden?


[Bennet] Das stimmt! Und für den Bereich Filmmusik bin ich mit 31 Jahren auch noch vergleichsweise jung.

Angefangen hat das Ganze ehr klein. Ich habe früher mal in einem Tonstudio gearbeitet. Dort gab es dann nach und nach neben dem alltäglichen Musikgeschäft immer mehr arbeiten im Videobereich – Imagefilme, Kurzfilme, YouTube Produktionen, usw. Am Ende haben wir dann das Sound Design für eine kleine Feature Film Produktion aus Cottbus übernommen. So hat sich mein Fokus von der reinen Tonstudioproduktion in den Video- und Filmbereich verschoben. Obwohl Fokus vielleicht nicht das richtige Wort ist, denn ich arbeite auch weiterhin gerne mal ohne Video.

Danach kamen verschiedene Produktionen von weiteren Imagevideos über preisgekrönte Kurzfilme bis hin zu Spielfilmen. Mittlerweile kommt auch einige Videospiele rein.


[MindFreak] Hast du vorher schon mit Musik zu tun gehabt, z.B. in einer Band gespielt oder gar Musik studiert?


[Bennet] Auf jeden Fall! Ich bin seit 15 Jahren (mit Unterbrechungen) Schlagzeuger. Anschließend habe ich mich mit der Gitarre, dem Bass und dem Klavier befasst. Ich war auch zwischenzeitlich einmal Lead-Sänger in einer Band. Studiert habe ich das ganze nicht. Ich persönlich finde das allerdings nicht schlimm. Seit meiner Berufsausbildung im Instrumentenverkauf habe ich immer auf irgendeine Art und Weise mit Musik zu tun. Und sollte mit mal langweilig werden, dann schreibe ich mich beim Berklee College ein.

Mittlerweile habe ich mich auf der Bandseite wieder zurück zu den Wurzeln begeben und bin Schlagzeuger bei der Band „Secret Basement“. Da haben wir übrigens vor Kurzem unser neues Album „Ruins of Habits“ veröffentlicht.


[MindFreak] Was ich mir spannend vorstellen kann, ist der kreative Prozess hinter einer solchen Produktion. Wie können wir uns das vorstellen, wie du an ein Projekt herangehst?


[Bennet] Da kommt es eigentlich immer darauf an, welches Material mir die Produktion liefern kann. Heutzutage bekommt man ja nicht mehr von jedem Regisseur oder Produzenten einen fertigen Film. Manchmal ist es nur eine Idee, manchmal ein Drehbuch und manchmal sogar schon ein Storyboard. Wenn ich einen fertigen Film bekomme, dann schaue ich mir diesen erstmal genau an. Dann stellen sich die Fragen, wie: An welchen Stellen macht Musik im Film eigentlich Sinn? Wie ist die Farbgebung bzw. das Flair des Films?

Aber egal, was geliefert wird – wichtig sind mir immer die Emotionen, die beim jeweiligen Projekt transportiert werden soll. Klar, für einige klingt das jetzt vielleicht doch eher technisch und man wird sich fragen, wo da noch die Kreativität bleibt. Die kommt allerdings nicht zu kurz. Es werden anschließend viele Melodien und Musikstücke für verschiedene Charaktere, Szenen oder Situationen entwickelt. Danach überlege ich mir, welche Instrumente für die jeweilige Produktion in Frage kommen. Die Abfolge ist allerdings auch nicht immer gleich – ich gehe immer anders an Projekte ran bzw. komme in Projekte rein. Manchmal habe ich z.B. Gespräche mit Regisseuren über mehrere Monate und schreibe mit denen zusammen schon Melodien, bevor der Film überhaupt in die Produktion geht. Es ist auf jeden Fall immer eine sehr spannende Sache.


[MindFreak] Inwieweit bekommt man da auch Vorgaben von den Regisseuren oder Produzenten eines Films?


[Bennet] Auch das ist wieder sehr unterschiedlich. Es gibt Regisseure und Produzenten, von denen bekommst du eine Excel Tabelle mit Szenenangaben, den dazugehörigen Musik-/Stilwünschen und im besten Fall einen YouTube Link zu einem Referenzstück. Das ist für einige Projekte gut, weil man eine Orientierung hat. Andererseits kann es auch hinderlich sein, wenn Regisseur oder Produzent nicht nur ein ähnliches Musikstück wie das Referenzstück, sondern eigentlich genau DIESES Stück haben möchten. Da muss man dann als Komponist wirklich kreativ sein.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch diese Art Regisseure und Produzenten, bei denen man einfach alles machen kann, ohne jegliche Vorgaben. Da kann man sich auf der kreativen Seite super auslassen, sollte aber auch den Sinn oder Hintergrund des jeweiligen Projekts nicht aus den Augen verlieren.


[MindFreak] Gab es den schon mal Vorfälle das der Produzent eines Filmes überhaupt nicht zufrieden war mit deiner Arbeit?


[Bennet] Bei Filmen gab es sowas noch nicht. Das ist auch wirklich selten, weil ich mit den Produzenten und Regisseuren im Vorfeld normalerweise viel spreche, schreibe oder Videochatte. Dort erfahre ich viel vom Hintergrund des Films oder von den Gedanken und Vorhaben des Regisseurs selbst. Man macht in diesen Fällen oft auch Small Talk und erfährt so wiederum mehr über die Person. Ohne Gespräche mit dem Regisseur oder dem Produzenten direkt an den Film zu gehen kann nur ein Misserfolg werden.


[MindFreak] Dazu eine kleine Zusatzfrage, ist dir bei deiner Arbeit als Composer irgendwas passiert, was dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?


[Bennet] Natürlich ist da mein erstes Spielfilmprojekt mit dem Regisseur Subhro Das ganz vorne dabei. Er hat mich gefragt, ob ich für den Film schreiben möchte, als das Ganze noch komplett geheim war und ich konnte ein wenig am Stil des Films mitarbeiten. Das ist wohl für jeden Komponisten ein schönes Gefühl.

Dann gab es auch noch andere Projekte, bei denen Musikstile gefordert waren, die ich so noch nie oder erst sehr selten geschrieben und gespielt habe. Zum Beispiel Mariachi Musik oder einen klassischen Walzer mit Filmmusikelementen. Da muss man sich im Vorfeld schon erst einmal reinhören und sich auf kurze Zeit – ich nenne es mal – dem Stil hingeben.

Ein schönes Projekt, dass ich selbst in Leben gerufen habe, ist der Score Musik Advent Calendar. Das ist ein virtueller Adventskalender mit täglich neuen, instrumentalen Musikstücken, um die Weihnachtswartezeit etwas erträglicher zu machen. Hier habe ich auch mit vielen verschieden Komponisten zusammengearbeitet und es sind wunderschöne Stücke entstanden. Es handelt sich hier allerdings kaum um Weihnachtsmusik – die läuft zu dieser Zeit im Radio eh rauf und runter.

Achja, bei meiner Arbeit im Tonstudio habe ich mal mit Uli Jon Roth, dem Ex-Gitarristen der Scorpions, auf der Couch gesessen und mich gut mit ihm unterhalten.


[MindFreak] In deinen Showreels auf Youtube hab ich verblüffend festgestellt, dass du eine große Bandbreite an musikalischer Arten abdeckst. Was mich irgendwie zu der Frage bringt, wie spielst du das ein?


[Bennet] Instrument für Instrument oder wie kann man sich das vorstellen? Auch das ist immer unterschiedlich. Viele Instrumente spiele ich mit der Klaviertastatur ein. Das läuft dann über ein Programm für Audioproduktionen und wird mit virtuellen Instrumenten ausgegeben. Klingt jetzt nicht sonderlich sexy, oder? Das Ergebnis ist allerdings äußerst gut! Wenn ich bestimmte Instrumente gerade zur Hand habe, dann stelle ich auch gern ein Mikrofon auf und nehme dieses Instrument direkt auf. Je nach Größe der Produktion kann man sich dann auch schon mal Gastmusiker einladen oder direkt auf ein ganzes Orchester zurückgreifen.


[MindFreak] Außerdem ist mir an den Showreels aufgefallen, dass dort ein Ausschnitt vom SWR zu sehen ist. Ist es vom Arbeiten her schwerer mit TV Produzenten zusammen zu arbeiten?


[Bennet] Die Zusammenarbeit ist für mich nicht unbedingt schwer. Da ist es komplizierter, an einen solchen Job ranzukommen.


[MindFreak] So dann kommen wir doch mal gleich zu dem kommenden Projekt an dem du arbeiten wirst. „Herr Berger sucht einen Sohn“ von Thomas Goersch. Wie kam das zustande, dass er dich engagiert hat?


[Bennet]Thomas kenne ich seit 2015. Allerdings haben wir es bis jetzt noch nicht geschafft, uns mal persönlich zu treffen. Irgendeiner ist immer unterwegs und hat Termine. Aber das bekommen wir schon hin. Wir haben zufällig an einem Videoprojekt von unserem gemeinsamen Freund Patrick Etter zusammengearbeitet. Daraus hat sich erst einmal die typische Facebook-Freundschaft entwickelt und wir haben über die verschiedensten Themen hin und her geschrieben. Irgendwann hat er mir dann vom Projekt „Her Berger sucht einen Sohn“ und der ganzen Vision dazu erzählt. Zu dieser Zeit wollten wir schon länger zusammenarbeiten und jetzt hat es geklappt. An einigen Titeln haben wir schon gearbeitet, andere werden noch etwas ausgearbeitet. Der Film wird auf jeden Fall richtig gut!


[MindFreak] Hast du dir schon im Vorfeld ein paar Gedanken machen können, wie du an dieses Projekt herangehen wirst bzw. was macht das Projekt für dich so spannend?


[Bennet] Vorbereitet habe ich mich mit französischer Filmmusik und Chansons. Das ist für mich ja erstmal etwas ganz anderes gewesen. Traditionelle, französische Instrumente, Songstrukturen und Melodien – da kommt einiges zusammen. Spannend ist auch, dass einige Musikideen erst während der Filmproduktion entstehen und manchmal auch entsprechend kurzfristig umgesetzt werden müssen. Alle beteiligten werden auch regelmäßig über die Fortschritte des Films informiert, was ich persönlich super finde. Das hat man so nicht oft. Zudem greift der Film auch das Thema „gleichgeschlechtliche Beziehungen“ auf, welches in Deutschland immer noch auf taube Ohren stößt. Und, wenn der Film fertig ist, wird das wohl meine erste Filmpremiere werden, bei der ich dabei sein kann.


[MindFreak] Mal ganz Frech gefragt, was hälst du generell von dem Projekt (Idee dahinter/Queer/..)?


[Bennet] Wie schon kurz angeschnitten: Super Idee! Gleichgeschlechtliche Beziehungen bzw. sogar gleichgeschlechtliche Ehen sollten nicht nur, sondern müssen in diesem Land mehr toleriert werden. Und wenn man sich die Ereignisse der letzten Tage in Chemnitz ansieht, dann sieht man, dass es noch viele Menschen gibt, die einfach nicht tolerant sein können oder wollen. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu politisch werden – wenn ich allerdings nicht in einem Land leben und arbeiten kann, ohne dafür grundlos von anderen angepöbelt zu werden, dann stimmt hier doch an vielen Stellen irgendwas nicht.


[MindFreak] Gibt es zum Abschluss dieses Interviews noch Kleinigkeiten, die du erzählen möchtest oder Worte die du an die Leser dieses Interview richten möchtest?


[Bennet] Schaut euch „Herr Berger sucht einen Sohn“ an, sobald er rauskommt. Super Story, super Schauspieler und, ich denke, auch super Musik.


Was ich vielen, gerade jungen Künstlern, gern mit auf den Weg geben möchte ist folgendes: Lasst nicht von euren Ideen ab! Es wird viele Situationen geben, in denen es Rückschläge gibt. Lasst euch davon nicht beeindrucken und bleibt weiter dran. Trefft eure Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Oft müssen erst negative Situationen gesehen, um Platz für positives zu machen.


[MindFreak] So dann wars das auch. Ich bedanke mich vielmals dich als Interviewpartner gehabt zu haben. Gab mit Sicherheit einige Interessante Einblicke in deine Arbeit. Wünsche dir viel Erfolg für deine Zukunft. IMC out.


[Bennet] Dank dir nochmal für die Einladung! Es hat mich wirklich gefreut, mit dir dieses Interview zu machen. Vielleicht sehen wir uns ja bei der Filmpremiere.

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